Das Das Haus im Schnee in Baltimore
Rückblick auf Amerika 2011
Wieder daheim!
Mein kleiner "Raum"flug:
20. 12. 2010 -11. 1. 11
Bin gerade aufgestanden. Draußen nichts als Schneeberge. Heute mein Aufbruch nach Amerika mit Superfahrdienst nach Frankfurt!! Tochter Claudia sagt mir ein liebes Adieu!
Nach etlichen Wartestunden hebt die Airlines bei schweren Schneewehen endlich ab Richtung Washington. Ueber der Wolkendecke eine winterlich strahlende Sonne, meine stundenlange treue Begleiterin ueber den weiten Ozean!
Beim Wiedereintauchen in die Erdatmosphaere ein wachsamer grosser runder Mond am sich verdunkelnden Himmel. Am Ausgang des Flughafens ein erstes liebes vertrautes Gesicht, zwei lachende Augen, ein Zuwinken von der Nichte Anya.
So schaut Ankommen aus, wenn Ankommen glueckt!
Im abendlichen Verkehrschaos die Autofahrt nach Baltimore unter dem wachsamen Vollmond! Ein erster lebendiger Austausch auf der Fahrt zum Verwandtenhaus im dahinfliessenden Autostrom. Gluecklicher Empfang vom Bruderherz Hermann und seiner Heidi, Nette Begegnung mit Nichte Ina und ihrem Partner Mike! Eine kleine froehlich zusammengewuerfelte Runde, wie das Leben sie schenkt in besonderen Augenblicken.
Wohltuend die erste Nachtruhe am fremden und doch vertrauten Ort! Im Bett die Waermflasche, das spezielle Nickerchen, ein dickes Buch, Gedanken zu sortieren und neu zu buendeln weit weg vom vertrauten Alltag!
Ich merke es hier, es hat was, wenn Kinder aus der Naehe jederzeit zurueckkommen koennen ins uraltvertraute Elternhaus zu älter gewordenen Eltern! Dieser Charme von doppelter Heimat!
Geruhsam der Tagesablauf mit viel Nachholschlaf und echtem Wohlbefinden! Kleine Spaziergaenge bei Sonnenschein mit Hermann in der schoenen huegeligen Umgebung - Bruder und Schwester, inzwischen ueber die 80 hinaus! - Interessanter Weihnachtseinkauf im Korea-Shop fuer die große Party am Heiligabend! Ein ueberdimensionales Angebot an Obst und Gemuese und weiteren Lebensmitteln! Am Abend viele nette Gaeste, darunter Anya und Allan aus Washington und Ina und Mikel. Grosse Runde am gedeckten Tischtennistisch. Verlockendes Buffet, koestliche Gertraenke. Hinterher Gesang rund um Hermann am Fluegel vor dem wunderbar geschmueckten Tannenbaum. Weihnachtstraeume vom Frieden auf Erden! Anruf aus Peru von Conny und Corinna in der Somersonne am Meer.
Die Tage gehen inhaltreich dahin! Intensive Begegnungen mit den Nichten,einfach schoen nach so langer Zeit! Am 2. Weihnachtstag wieder ein gediegener Besuchsabend! Verstaendigungsversuche in Englisch mit zwei Ehepaaren. Hermann am Fluegel mit Brahms und Bach und Chopin! Heidi, die talentierte Verwoehnerin, serviert Gluehwein und koestlichen Kuchen unter dem erleuchteten Tannembaum! Eine zauberhafte Atmosphaere! Zwischendurch eine kleine Lesung allererster uebersetzter Perlfluss- und Weihnachtstexte mit kleiner Diskussion.
Christmas-Song
Let us listen let us sing
let us sing a song today
which will fill all lands
which will fill all rooms
Light you see in people's eyes
hope in darkness all around
hope will open many doors
for the biggest human dream
Peace on earth - the angel's song
peace all through the world
let us listen let us sing
God did promise his Shalom
Am naechsten Morgen ein ausgedehntes Fruehstueck mit Ina und Mike unter regem Gedankenaustausch.
Ich fuehle mich rundum ein bisschen wie in Abrahams Schoss! Morgen kommen die Peruaner zu meinem 85. Geburtstag! Was fuer ein kunterbuntes Leben!
Jeweils in aller Fruehe nach einem ersten Espresso weitere Uebersetzungsversuche! Solch ein eigenes Programm im Kopf haelt dich munter, in kreativer Spannung und in guter Stimmung!
Heidi und Hermann, diese beiden charmanten Gastgeber fuer so viele Freunde, das hat etwas von grosser Weltoffenheit! Am 29. Ankunft der "Lima"nesen Corinna und Conny mit den Zwillingen auf dem Arm treppauf mit einem "Happy Birthday to you"!
Vier erschoepfte Leutchen, Antonia noch krank. Franka ein bisschen irritiert.ob der neuen Umgebung.
Erstes Einleben, erster Schlaf vor der Party am Abend mit Besuch. Ein Supermenue zum Geburtstag; wieder von Heidi gezaubert mit Wein und Saeften und dem speziellen Espresso hinterher! Die froehliche Runde singend im Halbkreis um den Tannenbaum. Hermann wieder am Klavier. Ploetzlich ein Aufstrahlen und erstes glueckliches Laecheln von Antonia: "Wie in der Kirche"! Sie wirkt wie angekommen! Ausklang des Abends mit Erzaehlen, mit Musik, mit Beschaeftigung mit den Kleinen, mit gegenseitiger Rueckenmassage der Erwachsenen, alle aufgereiht hintereinander auf Stuehlen sitzend! Ein lustiges Bild, ein Wohlfuehlvergnuegen! Das sind Bilder, die du nicht vergisst!
Lustiges Treiben auch am naechsten Tag.
Und mitten im Trubel die 85jaehrige "Abuelita" (Omi), etwas nachdenklich, irritiert, skeptisch,anfragend ob des Betriebs um sie herum - und ab und zu abgeholt mit einem warmen Kuss. Sie denkt nach ueber die Welt als Chaos, der Lichtungen und Nischen abzugewinnen sind, wie sie es hier und heute in origineller Weise erlebt. In welcher Lichtung kommen wir wirklich an im Leben mit unserm Denken und Tun?
Wir erleben gegenwaertig zwei wonnige Menschen-Neulinge, leisten Babysitterdienste mit Vorlesen, Spiel und Basteln. Sie lauschen fasziniert der fuer sie aufgelegten Musik und tanzen ganz verzueckt dazu mit den Grossen! Derweil geniessen die jungen Leute den Trip nach Washington in Anyas und Allans Zauber-Zuhause und mit einem ausgdehnten Spaziergang am Patomac-River!
Ab und zu starten wir zur Entspannung im Kreis die chinesische Gymnastikuebung: yat - yee - sam.....
Gestern im Gespraech ein paar Takte rund um Ken Wilber, Hermann's speziellem Philosophen!
Ich traue seinen Visionen einer Bewusstseinserweiterung nicht wirklich, die alle geistigen Stroemungen vereinen moechte zu einem neuen Welt- und Weitblick, Ich traue einer Spiritualitaet, die hoeher ist als alle Vernunft! Immer bleiben Fragen im Raum. Wozu dient Philosophie? Sloterdijk meint:....."zur Aufhellung des Zwielichts, das wir bevoelkern!
Am Abend zu viert Schachspiel-Versuche mit Hermann, der nicht zu schlagen ist! Gemuetliche Runde mit Rotwein und Bier nach Wahl, dazu die "Knusper"verwoehnung von Heidi! Eine Atmosphaere zum Gluecklichsein! Tagsueber geistert unter Hermann's Haenden wieder und immer wieder dear old Chopin durchs Haus.......
In der Neujahrsnacht wieder ein gemeinsames Singen und das kleine zauberhafte Konzert der Nichten mit Walzern und Taenzen, die uns alle ein bisschen traumverloren hinueberlockten ins neue Jahr! Anya am Fluegel und Ina mit ihrer Geige.
Am 3. Januar noch ein Genurtstag, unser aller "Happy Birthday to you " fuer Heidi, die Unermuedliche in der grossen Familie! Ein Dank an sie fuer alles Verwoehnen rundum in der Festzeit zum Jahreswechsel 2011! Abends die grosse Runde im China-Restaurant mit den uebermuetigen Zwillingen zum Amusement auch der Kellner. Vorher Besuch bei Ina im originellen Domizil mit Mike und anschliessend die Besichtigung ihrer gediegenen Praxis mit dem gemuetlichen Gespraechssessel, der Behandlungsbank und der kuenstlerisch aparten Raum-Gestaltung!.
4. Januar: Heute Abfahrt der Kinder Richtung New-York und weiter nach Frankfurt. Was fuer Unternehmungen! Diese Zwischenbegegnung war spannend und sehr aufregend fuer mich! Was haben die Toechter da geleistet fast ueber ihre Kraefte! Ich hatte noch ein kleines letztes liebes Kerzenstuendchen mit Antonia und Franka.
Diese Ruhe im Haus! Ganz fern im Ohr die Kinderstimmen, sie bleiben haengen!
Inzwischen zu Dritt wieder eine Weile Kopfzerbrechen beim Uebersetzen der Perlfluss-Poems! Poesie zu uebersetzen, das ist echt schwer! Diese nachdenklichen Blicke ins Leere, Dichtkunstversuche im Freiraum kuehner Gedanken! (Hermann koennte wieder schmunzelnd den sprachlich originellen Sloterdiijk zitieren vonwegen des "Eidechsenblicks der Mittelmaessigkeit"?)
Auf dem Programm der letzten Tage stehen weitere Begegnungen, vielleicht auch ein Hafenbesuch und ein Gang durch den „Kuenstler“park, den Heidi mit initiiert hat und noch ein Fotoaustausch mit Ina..
Und dann heisst es bald wieder:
Bin gerade aufgestanden......... draussen hoffentlich gutes Wetter fuer den Rueckflug!
Ein grosser Dank - ein liebes Adieu zurueck an Heidi und Hermann und Anya und Ina!!! Wie schöen war noch die letzte Begegnung in Waschington bei Anya und Allan mit den kleinen Abschiedssongs der beiden unter Gitarrenbegleitung! Und dann - wie bei dem Empfang vor 3 Wochen - die gekonnte Hilfe von Anya am Flughafen und der zaertliche Abschied! Runder haette das Amerika-Erlebnis nicht sein koennen!
(Hab meine kleine "Raumfahrt" beendet, habe mal Abstand gewonnen vom deutschen Alltag. Einmal durcheinander gewirbelt, gilt es nun bald neu Fuss zu fassen in vertrauten Gefilden. Wie vertraut sind sie? Immer wieder und immer weiter entdeckst du Neuland bis ins hohe Alter. Es ist gut, schwimmen zu koennen zu neuen Ufern,, wenn in aufgewirbelter Zeit altvertraute Boote nicht mehr tragen.........)
Annemarie (im Januar 2011)

A Love-Story from 1956
It was May. The friends, Doerte and Amrie, met for a weekend in Duesseldorf-Kaiserswerth and planned an excursion to the airport in D.-Lohausen. There they wanted to have a cup of coffee and talk with each other, that enticed them. It had to be the airport athmosphere as an alluring backdrop to this special reunion after a long time of seperation.
There in the cafe, they discovered only 2 empty seats at a table where 5 men were seated already. They hesitatedhowever, one of the gentleman waved to them: „Here happen to be some sherds, but we will move them to the side and trade seats with you.“ A bit confused Doerte and Amrie accepted the offer and they found themselves suddenly in the company of some jolly gentlemen celebrating the birthday of one of them.
.Now Doerte and Amrie had to tell each other much and at first just remained side charactes in the setting. But little by little they aroused the interest of the group at the table, which, a bit curious, began to ask them some questions. Doerte explained that she worked in Bremen and Amrie mentioned that she lived nearby in Kaiserswerth where she assisted her parents in directing a home for seniors (who had been connected to the Rheinish Mission).
Some questions went back and forth and the girlfriends discovered that there sat a whole group of medical doctors from Duisburg with them at the table. Doerte and Amrie had looked forward to their own exchange of life’s tales and after a while departed to take an extended walk back . And that was it, a treasured afternoon among friends in to that point unfamiliar company!
But the story was to continue. Doerte traveled back home. Both persued their occupation. One noon the following week a forceful knock at the door to Amrie’s room ---„Telephone“! „For me?“ called Amrie, „who might it be?“ „A man“ Amrie went downstairs to the office.
„Hallo who is there?“ „Here is Dr.Schnitt, do you remember your time at the airport-table drinking coffee? I explored in which senior home in Kaiserswerth there are parents and a daughter taking care of the seniors and hope that this is correct?“ Amrie was startled, what kind of detective work was this?
„Yes, I remember--what an effort in tracing my tracks did you undertake!“
„What do you think, could we meet once again next weekend?
I would come with the D-train (street car) which arrives at 3PM in Lohausen!“
Silence--- „Could you give me your telephone number? I’ll call you back.“
Finished--- and long hard thinking. Who might it have been, which one of the characters we had met? Amrie was perplexed and remained so for a while.
And the get-together came about the following Saturday at 3PM.
There at the tram stop, Amrie was standing, her knees shaking a bit.
When the tram had arrived, a friendly gentleman approached her, in measured, thoughtful steps carrying the sweetest small bouquet of forget-me-nots in his hand.
On the stroll to the airport a love story began in Mai of 1956 which found its end in 2004. Somehow it is living on in the 3 Cs.
(translated by Heidi Grundmann 2011)

#######################################################
|
|
2. Preis im Literaturwettbewerb „Inselmenschen“
|
Als Gott die Welt erschaffen hatte, so zitierte der Inselpfarrer eine Anekdote, hielt er noch eine Handvoll Erde in seinen Händen. Er überlegte nicht lange und warf sie ins offene Meer. Aus diesem Erdklumpen erwuchs unter der Sonne eine fruchtbare kleine Insel zwischen dem deutschen Festland und dem dänischen Lolland: Fehman. Von Wäldern durchzogen träumte sie ihren ersten Erdentraum. Nach und nach entdeckten Menschen das kleine Reich für sich, siedelten sich an, rodeten sich freie Lebensräume, betrieben Ackerbau und Viehzucht, und entwickelten ihre eigene Inselkultur, die bis zum heutigen Tag ihre Nachfunken schlägt.
Als neu Hinzugezogene haben wir diese Insel unter dem weiten Himmel auf besondere Weise schätzen gelernt. Sie wurde für uns zu einem Versteck für das Glück. Kaum hast du den Sund überquert, verlangsamt sich das Leben, tauchst du ein in eine Landschaft zwischen Gestern und Morgen. Du entrückst dir selbst, deinem Alltag, um dich neu finden. Du wirst zum Inselmenschen, der den Tag Tag sein lässt und die Nacht Nacht, der zuweilen das Datum vergisst und die Uhrzeit, der die Urkräfte der Natur erlebt im unermüdlichen Wellenschlag und sich einlässt auf etwas ungewöhnlich Neues..
Und du begegnest „eingeborenen“ Inselmenschen, die dich faszinieren in ihrer Art, präsent zu sein auf ihrem kleinen Fleck Heimaterde. Die gute Luft schenkt ihnen einen langen Atem, sie wirken gelassen und gewappnet gegen Stürme.
Sie lassen sich nicht leicht umblasen, nichts holt sie aus dem Inselfrieden.
Wir erlebten den Postboten als freundlichen Besucher an jedem Tag, der auch eine quietschende Tür ölte und uns frisch gefangenen Fisch anbot, den uns seine Frau brachte und inselgerecht zubereitete und nebenbei mit uns Insellieder anstimmte.
|
Wir erlebten in unserer Siedlung ein Hausmeister-Ehepaar wie leise gute Geister, den Gästen das alltägliche Leben zu erleichtern mit Rat und Tat. Inselmenschen mit ruhigem Schritt, von der Sonne durchwärmt, vom Wind gestählt mit dieser besonderen Gemütsruhe. Da war der originelle Inselpfarrer und Geschichtenerzähler, ein prägender Mensch für Jung und Alt. Der Elektromeister, der Installateur wie alte Bekannte und Freunde mit Zeit für ein Gespräch über die Arbeit hinaus. Inselmenschen auf Wegen zwischen den Dörfern, zwischen den Zeiten, die ihr fruchtbares Land bearbeiten, die auf Du und Du sind mit den Gewalten der Natur, die mit ihrem Fischerboot hinaus zum Fischen fahren, die auf Wegen zwischen Rapsfeldern untertauchen, sich an Dorfteichen austauschen und auf dem Wochenmarkt ihre vielgestaltigen Produkte anbieten.
Eine Welt für sich, diese Insel mit ihren Menschen.
Wie lange noch werden sich Inselmenschen ihre Eigenart bewahren können unter dem Einfluss sie mehr und mehr vereinnahmender Festlandkultur? Betörendes und Verstörendes nebeneinander auf diesem Eiland zwischen den Welten. Was wird eine die Insel zerschneidende Brücke über den Belt anrichten?
Wird sie verschluckt werden vom Monster Technik und Fortschritt? Die Küsten und Strände werden weiter ihre Sprache sprechen. Die Wellen schlagen unermüdlich an Land. Schwäne ziehen stolz ihr Bahn. Nachtwache hält der Mond. Der Himmel umarmt tagaus tagein schützend das Inselkleinod mit seinen Menschen, den Inselmenschen. Es gibt etwas Unzerstörbares hinter den Umbrüchen der Welt, Lebensfunken, die nie verglühen.
|
|
Aufbruch über die Fehmarnsund-Brücke
Einmal die Insel zu Fuß zu umwandern, strandentlang-wegweiserlos, das war unser Ziel
Drei Inselliebhaber, ein munteres Gespann, planten im Sommer vor der Jahrtausendwende jenseits der vielversprechenden Fehmarnsund-Brücke einmal zu Fuß an den Stränden entlang die Insel zu umwandern, vorangetrieben vom Wellenschlag des Meeres.
Am Südstrand der Start über schmale Pfade zwischen Kamille, Korn und Mohn, vorbei an wild blühenden Sträuchern bis zum Leuchtturm Staberhuk. Und weiter zur Stein- und Steilküste bis zur ersten Pause im Gasthaus Katharinenhof. An diesem Strand hat der Winter ein wüstes Spiel getrieben. Aufgerissen der gesamte Rand der Küste. Bäume vom Sturm gefällt. Barrieren im Sand. Riesige Wurzelberge und Steine wie Brocken aus Sterngestein. Ein gefährdeter, wilder Landstrich, ausgeliefert einer unzügelbaren Natur.
Auf dem Plateau, ausgebreitet unter der Sonne kunterbunte Campingplätze, die Nomadenlager des Sommers. Freundliche Menschen, Musik und kleine Blumengürtel im Dschungel der Zelte und Wohnwagen. Endlich frei sein im eigenen kleinen Paradies unter Sonne und Wind. Wie Sturmvögel aufs Surfbrett steigen. In Segelbooten sich fortträumen in die Weite.
Wir ziehen weiter über langhingestreckte Schmalspur-Pfade am Saum der Küste - Stunde um Stunde - an der idyllischen Hoch-Siedlung Marienleuchte vorbei bis zum umtriebigen Hafen von Puttgarden.
Ende des ersten Tages! Sechs Stunden über ungewohnte Wege. Die Füße zum Zerbrechen! Nur heim zum erfrischenden Duschbad und kühlen Bier! - Am nächsten Tag Fortsetzung der Tour ab Puttgarden. Wie neu und anders diese Landschaft! Ein müheloses Wandern über den Deich, rechts und links große Grasflächen, auf denen Schafherden weiden. Ein weiter Strand. Riesendampfer in der Ferne. Linkerhand ein kleiner niedriger Wald, Tümpel und Seen und neu gewonnenes Land. Schutzgebiet für seltene Vögel. Vor uns das Niobe- Denkmal, diese Erinnerungsstätte an den tragischen Untergang des Segelschulschiffes Niobe 1932 in einem unerwartetn Sturm vor Fehmarn. Gedanken, die sich aus dem Augenblick lösen, sich selbständig machen, Jahrzehnte überfliegen und verweilen im Unvorstellbaren.
Herrlich der Meerblick - ruhig der Strand. - Ein angenehmer Rückenwind treibt uns voran.Wir wandern weiter bis zum Belt, dieses zur Zeit fast orientalisch wirkendes Fleckchen Erde. Hinter geheimnisvollen Schilfseen das bunte Treiben der Campingfreunde. Rundum Schwäne und Enten einbezogen in die Insel-Idylle. Überall säumen zufriedene Schafe unsern Weg. Ein übermütiges Wolkenspiel am Himmel! Die große Hitze hat noch nicht eingesetzt.
Bis zur Wallnau, dem Vogelschutzgebiet, tragen uns die Füße an diesem Tag.
Wir verweilen und staunen und beobachten das bunte Treiben der Ostseevögel.
Von Bojendorf aus geht es dann zunächst wieder heimwärts zum Ausruhen. Frühmorgens brechen wir gut erholt mit dem Ferienexpress wieder auf zur Wallnau, die Inselumrundung fortzusetzen!
Von dort aus liegt ein weiter Weg vor uns Richtung Orth am Yachthafen. Angenehm die Pfade am Ufer entlang. Überwiegend Radfahrer sind es, die uns hier begegnen, nur wenige Wanderer! Wir entdecken reizvolle Uferstrecken, streifen den Flügger Leuchtturm und beschleunigen unsern Schritt- bei einem sich verdunkelnden Himmel. Doch das Gewitter zieht vorüber.
Über den Deich geht es vorbei an romantischen Binnenseen. Wieder eine lange Strecke- und dann eine kleine Erholung und Stärkung auf der Terrass einer Gaststätte in Orth mit Blick auf das spannende Treiben im Yachthafen vor der letzten Strecke Weg an diesem Tag.
Der Ehrgeiz treibt uns weiter. Eine große Strecke liegt beim 4. Start wieder vor uns von Orth aus über Lemkenhafen und weiter am „Gold“ufer entlang. Viele Surf-Vögel sind mit uns unterwegs in den Tag. Segelboote bevölkern die Meerlandschaft. Die Fehmarnbrücke in neuer Perspektive! Als neues Malmotiv eingeprägt! Schwieriger Weg unter der Brücke her über Zäune und Bauhalden. Über uns das Dröhnen der Autos. Fort von hier - am Fehmarnsund entlang - zu den südlichen Gestaden der Insel bis hin zum Wulfener Hals!
Unterwegs überall ein munteres Strandtreiben. Romantisch zwischen schattigen Bäumen der Erholungsplatz in Wulfen! Von hier aus noch ein langhingezogener Weg über den Deich am Binnensee in Begleitung mit uns sympatisierender Schwäne bis Burgstaaken. Hier die verdiente Pause am Hafenbecken.
Bald sind wir am Ausgangsziel, unserm kleinen Domizil! Vom Hochsitz aus noch ein weiter Blick zurück! Drei Wanderer heimgekehrt von einer faszinierenden Inselumrundung.
22 Stunden Laufzeit liegen hinter uns. Knapp 80 km verteilt auf vier Ferientage! Das muß gefeiert werden! Wir haben uns die Insel, die wir schon lange lieben, nun endgültig erobert, per pedes in den Hochsommertagen vor dem Beginn eines neuen Jahrtausends!
|
|
|
|
|
China (Die Lepra-Arbeit in Tungkun Süd-China)
|
Anfang des 20. Jahrhunderts gründeten evangelische Christen der Rheinschen Mission Wuppertal in Süd-China ein erstes Lepra-Asyl. Der Zustand der an Aussatz Erkrankten war unbeschreiblich. Zunächst versteckte man in der Bevölkerung die Betroffenen in dunklen Hinterräumen der Familienhäuser, später setzte man sie aus. So tummelten sich viele zerlumpte armselige Gestalten auf Grabhügeln vor den Städten, bauten sich Verschläge, die von Zeit zu Zeit in Brand gesetzt wurden, um sie zu vertreiben. An Wegrändern erbettelten sie sich etwas zu essen von gutmütigen Mitmenschen.
Es gab keine Aussicht auf Heilung.
Ein Hospital bestand schon länger am Ufer des Ostflusses, doch dort konnten die Kranken nicht aufgenommen werden wegen der Ansteckungsgefahr.
So baute man zunächst ein Auffangheim etwas flussabnwärts auf einer Halbinsel. Erste Lepra-Erkrankte wurden aufgenommen, gewaschen, schlicht eingekleidet und medizinisch untersucht und versorgt mit den Mitteln, die zu jener Zeit zur Verfügung standen.
Am Anfang bestand viel Misstrauen bei der Bevölkerung rundum, das sich aber
legte, als man merkte, dass immer mehr Aussätzige eine gute Heimstatt gefunden hatten. Am Ende fanden über 300 Lepra-Kranke hier ihren Lebensplatz und entwickelten neuen Lebensmut und Lebensfreude.
Genau an dieser Stelle fand mein Vater nach einer Zeit des Einlebens seinen Arbeitsplatz als Organisator, Missionar und Entwicklungshelfer in China. Er setze den Aufbau des Asyls fort mit den noch arbeitsfähigen Kranken. Da gab es Frauen- und Männerhäuser mit schlichten großen Räumen mit vielen hohen Holzpritschen, sowohl als Arbeits- und Schlafplatz mit Moskitonetzen darüber für die Nächte. Daneben Küchenhallen mit offenen Feuerstellen zum eigen-ständigen Richten der schlichten Mahlzeiten.
Es gab die Auffangstelle mit erster medizinischer Betreuung. Einmal wöchentlich ruderte mein Vater zusammen mit dem Missionsazt der Hospitalstation zur Lepra-Insel zur Betreuung der schwerer Erkrankten.
Eine kleine Kapelle diente als besonderer Begegnungs- und Treffpunkt. Meines Vaters Idee war eine größere Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, um den noch arbeitsfähigen Mensche ein erfülltes Leben zu ermöglichen. Jeder konnte mitmachen nach seiner Kraft und Möglichkeit. Schwerer Erkrankte saßen und schauten zu, wie ihre Freunde kreativ wirkten.
So kam als erstes eine große Steinpresse aus Deutschland, Zement ließ sich auf dem Flussweg herbeischiffen. Dann ging er ans Werk, mit den Kranken, Zement- und Terrazoplatten in jeder Größe und Menge herzustellen, etwas ganz Neues auf dem chinesischen Warenmarkt, das guten Absatz fand und mit Schiffen in die Städte gebracht werden konnte!
Als nächstes entstand im Asyl die erste Wasserleitung im südchinesischen Raum. Statt eines Wasserturms warfen die Kranken einen hohen Hügel auf mit einem zentralen Wasserbassin, später ein grün bepflanzter interessanter Mittelpunkt. Da die Halbinsel durch Hochwasser gefährdet war, wurden alle Wege und Plätze erhöht, mit den eigenen Zementplatten belegt und begrenzt von aufgelockerten Mauern, die eine Fülle von Blumentöpfen trugen, die die Frauen betreuten. So wurde das Asyl zeitweise zu einem zauberhaften Chrysanthemen-Garten!
Im Laufe der Jahre entstand noch eine große Töpferei und Brennerei. Angelieferte Tonerde wurde gemischt mit vorhandenem Quarzsand und Wasser und daraus entstanden Töpfe, Krüge, Vasen und alle nur denkbaren Gebrauchs- gegenstände, zunächst in Hallen getrocknet und dann in großen Brennöfen gebrannt, für die die Kranken auch das Holz hackten.
Es herrschte reges Treiben im Asylgelände, die Gesichter der Kranken erhellten sich, jeder wollte seine verbliebenen Kräfte mit einbringen in das gemeinsame Werk.
Räuberunruhen erschwerten damals in erheblichem Maße die Arbeit der Missionsstation. Vorsichtsmaßnahmen waren angesagt, Überfälle zu verhindern!
Diese Lepra-Arbeit wurde von Zentralstellen in Amerika unterstützt und gefördert . Dort wurde geforscht, Medizin zu entwickeln, deren Einsatz auch in Tungken schon erste Erfolge zeitigte, die Krankheit zum Stillstand zu bringen. Auf einer Visitationsreise einer amerikanischen Lepra-Delegation bekam mein Vater in den 30er Jahren eine hohe Anerkennung für seine geleistete Arbeit.
Die Mao-Revolution 1949 setzte der Lepra-Arbeiit in deutschen Händen ein jähes Ende! Dss Asyl wurde von der chinesischen Regierung übernommen und Jahre später - als Lepra heilbar war - aufgelöst und in ein kleines Fabrikgelände umgewandelt. Ich besuchte es 1991 mit meinen Geschwistern in Erinnerung an den Einsatz unserer Eltern zu Anfang des 20.Jahrhunderts.
Wir trafen noch einige alte Freunde und nahmen die Anerkennung eines geheilten Aussätzigen mit uns heim: Euer Vater gab uns den Reis des Himmels
|
Aufbruch ins Gestern
Wie elektrisiert stehst du
unter dem Himmel der Kindheit
unter runden Toren
unter Palmen und Bambus'
flussauf- flussabwärts
ziehen Kähne dahin
aus dem Gestern ins Heute
unter Bananenstauden
Scherben von Krügen
aus Töpferhand
du sammelst sie ein
trägst sie heimwärts
als Bruchstücke einer
heilen Erinnerung
Vollmond über fremder Stadt
Wie ein Freund
kamst du auf mich zu
über die Dächer der Stadt
als Fremdheit mich schnürte
als ich gebannt von Lichtern
einer tropischen Nacht
mich zu orten suchte
da tauchtest du auf
wie ein Freund
aus tausend und einer Nacht
mir einen Fixpunkt zu funken
ins verwirrende Spiel
Nach der Reise
Es bleibt
der besondere Geschmack
auf der Zunge
der fremde Duft in der Nase
das Rauschen
des fernen Flusses im Ohr
es bleibt
die wache Erinnerung an Menschen
die Erfahrung
von Geschwisterlichkeit
über Grenzen hinaus
es bleibt
das Erlebnis des einen Himmel
über der einen Erde
China:
Mit der Niederlage im Opiumkrieg im frühen 19.Jahrhundert begann in China die Periode der Privilegien für ausländische Mächte. Hongkong fällt Großbritannien zu, daneben gewinnen andere Europäer und die USA den Zugang zu weiteren Hafenstädten.
Dass christliche Kirchen im Zuge der Kolonialisierung ihre Arbeit in außereuropäischen Ländern intensivieren konnten, hat sicher auch einen fragwürdigen Aspekt, wenn man ihr humanitäres Engagement außer Acht lässt. Es waren Christen, die Krankenhäuser und Schulen erbauten neben christl. Kirchen, Schulen, aus denen in aller Welt wache Freiheitskämpfer hervorgingen! Es waren Christen, die sich der aus der Gesellschaft völlig ausgestoßenen Leprakranken annahmen. Dieser Lepra-Arbeit widmete sich mein Vater viele Jahre seines Lebens nach seiner Ausbildung am missionstheologischen Seminar in Wuppertal.
Während seine Freunde (aus finanziellen Gründen der Missionszentrale) nach dem Examen von Amerika angebotene Pfarrstellen übernahmen, ging sein Wunsch in Erfüllung, sich in China engagieren zu können.
Nach der Ausrufung der Republik 1911 unter Sun-Yat -Sen begannen außerordentlich unruhige Zeiten für China. Nationalsten machten sich stark gegen Kommunisten. Militärdiktaturen herrschten. Räuberbanden trieben ihr Unwesen und machten das Land unsicher. In dieser wirren Zeit nahm mein Vater in China zunächst sein Sprachstudium auf, um sich Mitte der Zwanziger Jahre, als Tschiang-Kai-Tschek regierte, auf einer kleinen Missionsstation am Ostfluss in der heutigen Provinz Guangzou, seinen Dienst an Menschen zu leisten. Er übernahm die Leitung des Lepra-Asyls in Donguan und baute es im Laufe der Jahre mit amerikanischer und deutscher Unterstützung aus zu einem vorbildlichen Lepra-Zentrum. Seine Idee war die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Kranken, die ihnen Kräfte und Lebensfreude zurückgab und den Lebensunterhalt mit absicherte.-
Mit der Harmonie-Lehre der 3 chinesischen Religionen, dem Daoismus-Buddhismus-Konfuzinismus, konnten Christen ihr theologisches Denken in Einklang bringen! In allen Religionen geht es um den Menschen zwischen Himmel und Erde. Unserm christlich ausgeprägt anthropologischem Heilsverständnis steht ein kosmisches in den anderen Religionen gegenüber. Einswerden mit der Natur, das ist auch für Christen zunehmend erstrebenswert für die Zukunft!
Ein chinesischer Weiser (Zhang-Zai) sagte: Alle Menschen sind Brüder und Schwestern und alle Dinge meine Gefährten! Das ist die Grundlage für alle wache Spiritualität, die den Menschen weiterbringt!
|
Flüchtlingshilfe à la „John Rabe“ 1938 auf einer Missionsstation in Süd-China
|
Der Film „John Rabe“ erinnerte uns daran, dass sich auf der Hospital-Station der ehemaligen Rheinischen Mission in Tungkun /Südchina genau dasselbe Drama wie in Nanking 1937 abgespielt hat.
Bei der Durchsicht alter Fotos unser erneutes Anhalten beim Anblick einer riesigen Nazifahne vor dem Hospital auf der Missionsstation in Tungkun, Süd-China. Im Vordergrund ein großes Flüchtlingslager. Eine genauere Recherche beim Missionsarchiv in Wuppertal ergab interessante Ergebnisse.
Hier Auszüge aus einem Brief vom 10.12.1938 vom damaligen Leiter des Lepra-Asyls Missionar Wilhelm Grundmann:
“..........Am 20.11. morgens sind die Japaner nach 5-stündigem Gefecht, wobei Kanonen und Maschinengewehre in Tätigkeit traten, hier in Tungkun eingezogen.
Gegen 11 Uhr kamen die Japaner von der Badeanstalt her durch die Felder gerannt.
Ich lief ihnen mit der deutschen Flagge entgegen, um sie von der Hospitalstation abzuhalten, damit eine Panik unter den etwa 10 000 Menschen, die hier auf der Hospitalstation Zuflucht gesucht haben, vermieden wurde! Nachdem sie einige Zigaretten bekamen, zogen sie wieder ab.
|
Bald darauf kamen 4 Offiziere, die wir dann auf dem Grundstück herumführten, damit sie sich überzeugen konnten, dass keine chinesischen Soldaten hier seien. Der Leiter der Gruppe sprach deutsch! Die deutsche Flagge wurde voll geachtet, sodass wir alle Flüchtlinge in den kommenden Tagen beschützen konnten
Das ganze Gebiet bis zur Hongkong-Grenze ist jetzt unterworfen, ebenso das Gebiet von hier nach Canton! Der deutsch sprechende Major ist Kommandant von Tungkun geworden und bleibt nun vorläufig hier. Die Chinesen wagen es aber noch nicht, nach Tungkun zurückzukehren......Im Keller unseres Hauses wohnen 265 Menschen. Unser ganzer Hofplatz ist belegt, viele haben nicht einmal ein Dach über dem Kopf und liegen auf dem Rasen, der kein Rasen mehr ist.
Alle Felder um das Hospital herum sind von kleinen Hütten besetzt, zu beiden Seiten des Flussbettes liegt alles voll. Auf dem freien Feld vor dem Hospital ist ein Marktplatz entstanden, wo man alles kaufen kenn, wenn auch zu teuren Preisen. Etwa 1000 Menschen müssen wir täglich zweimal mit Reissuppe versorgen, weil sie nichts zu essen haben. Hunderte Zentner Reis habe ich mit der deutschen Flagge aus der toten Stadt Tungkun herausgeholt und manche anderen notwendigen Dinge. Eine Zeitlang können wir diese Arbeit noch fortsetzen. Es ist nicht abzusehen, wann die Flüchtlinge den Mut haben werden, zurückzukehren!......Alle Europäer hier, auch die Schwestern, haben ihren Bezirk, um wenigstens die notwendigste Reinlichkeit herzustellen!-------
Wir sind in Unterhandlung mit den Japanern, um wichtige Post über das Konsulat in Canton nach Deutschland zu bekommen!................. “
So weckte der Film "John Rabe" alte Erinnerungen an eine unruhige und gefahrvolle Zeit auf dem Missionsgebiet in Südchina und an den mutigen Einsatz der Missionsmitarbeiter für die Chinesen. |
|
|
Psalme des Vertrauens
|
Du Gott
bist der Horizont
der unerreichbare
vor dem wir leben
der Horizont
der nie zu fassende
den wir schauen
aus der Ferne
der Horizont
der uns festhält
der die Welt umfasst
ohne den alles zerfiele
in ein Nichts
Gott Du bist
im Dahinströmen des Meeres
im Licht des Tages
in der Dunkelheit der Nacht
im Rhythmus der Gestirne
im Geschehen der Welt
im Unglück - im Glück
im Tod - im Leben
Du bist der Du bist
eingebrannt
ins Gedächtnis des Menschen
Gott
Du ganz ferner
Du großer Unbekannter
wer bist Du
und wo bist Du
was bedeutest Du
für mein Leben
gestern dacht ich Dich
als Beschützer
träumte Dich neben mir
mit tröstender Hand
heute spüre ich Dich
wie die Luft die unsichtbare
die ich einatme
die mich erfüllt mit Leben
Du- Gott
stehst wo Du stehst
Die Stunden und die Tage
voll Lust und voller Plage
sie gehn dahin
Die Zeit, sie gleicht der Welle
die fortspült von der Stelle
an der du heute stehst
Die Jahre, die vergehen
sie bleiben vor Dir stehen
in Ewigkeit
Du allein stehst, wo Du stehst
zu wohnen wo Dein Atem weht
schenkt Leben mir
Gott
Nach Dir zu fragen
trägt meilenweit
an stille Strände
nach Dir zu fragen
holt heraus aus Fesseln
nach Dir zu fragen
zieht uns in den Sog
der Liebe
Ich bin der ich bin
bin das Feuer das nie verlöscht
bin der Wind der weht wo er will
bin dein Erwachen
bin dein Weg aus der Wüste
bin dein Flug in die Freiheit
Ich bin
der ich sein werde in dir
Gott
Du geheimnisvoller Begleiter
ich ahne
Du möchtest eins werden
mit mir
Du möchtest einfließen
in mein Sein
möchtest Atem sein
meines Lebens
Zuversicht
Ps. 91
Gott -
Du unsere Zuflucht
unser Schirm und Schutz
Gott -
Du alles in Allem
Du Alles im Nichts
Mein Passionspsalm:
Großer Gott,
der Du aus Deinen Höhen steigst
in die Furchen menschlichen Leids
der Du
die Unnahbarkeit ablegst und
hineinkommst in unsern Kummer
der Du Menschenschuhe trägst
und mit uns Schutz suchst
im Schatten von Friedensbäumen
Großer Gott
bleib gegenwärtig allezeit
geh uns nicht verloren
bleib ein Teil von uns
im Tun im Denken
bleib uns auf der Spur halte Dich wach
in unserm Gedächtnis
öffne die Augen das Herz
dass wir an jedem
neu geschenkten Tag
auferstehen mit Dir
|
Vielleicht
ist alles ganz anders
als du denkst
vielleicht
ist dein Auge geblendet
fasst nicht das Unfassbare
nimmt nicht wahr das Wahre
vielleicht wohnt im Wunder
die Wahrheit
Wo ist der Himmel
Wo wohnst Du Gott
fragst du wieder und wieder
bis du ihn neu wahrnimmst
bis du erkennst:
Gott Du bist der Himmel
der Himmel über mir
der Himmel in mir
der Himmel der mich bewegt
der mich wachhält im Weitergehen
Wieder ein neuer Tag
der vom Himmel fällt
wieder neue Stunden
die zu füllen sind
wieder Frust und Frohsinn
Steine im Weg
und Rosen am Rande
der betörende Duft
etwas von Dir - Gott-
und Deiner Gegenwart
Du bist das Licht
Du brichst durch Wolken
und Dunkelheit
Du erhellst den Horizont
der Gedanken
Du weitest den Blick
auf die Dinge des Lebens
Du löst aus Lähmung
Du holst heraus
aus der Sprachlosigkeit
Du zündest ein Gebet
auf den Lippen
eins zu werden mit Dir
Gott
Du bist der Du bist
Licht ist Dein Kleid
das Du uns alle Morgen
neu um die Schultern legst
Du bist der Wind
in den Segeln unseres Aufbruchs
Du bist der Fels im Fluss der Zeit
Du bist das Zuhause am Abend
Psalm-Gebet zu Taufe:
Gott
Du unsichtbarer Begleiter
aller Menschenkinder
der Du den Tag schaffst
und die Nacht
der Du das Leben schenkst
und das Licht
der Du die Sinne weckst
zum Sehen zum Hören
zum Schmecken
Gott
lass uns Deine Güte schmecken
bleib Deiner Kinder Schutz
und Schirm
erhelle den Horizont
ihrer Gedanken
werde wahr in
Deinen Geschöpfen
Du - der unsichtbare Begleiter
Du Gott
der Atem unseres Lebens
Gott - ich weiß
Du wohnst in uns
Du wohnst im Anhalten
Du wohnst in der Selbstbesinnung
im Aufbruch
im Zuhören
in der Antwort
Du wohnst im Wort
das weiter trägt
Osterpsalm
O Gott
Kein Grab dieser Welt
gibt Dich preis dem Vergessen
kein Stein hält dich fest
im Grabesverlies
Du - der Du
die Schranken des Todes durchbrichst
zieh uns in deinen Bann
über alle Brüche hinaus
öffne uns Horizonte
durch die Kraft der Versöhnung
die Leben verheißt denen
die Gerechtigkeit suchen
Halt uns fest auf deiner Fährte
die uns fortführt ins Licht
|
|
10 Urlaubs-Psalme (2010)
|
|
Gott
Gehe auf in mir
wie die Sonne am Tag
dass sie mich erhelle
und erwärme
dass sie Dunkles überstrahle
dass sie mir leicht mache
den Lauf durch die Stunden
schenke mir Gewissheit
hinter dem Ungewissen
einer wirren Welt
den beschwingten Gang
über ungewisse Wege
Ein Dank zu Dir - Gott
ein Dank der hochfliegt
sich zu verlieren im Licht
ein Dank auf den Lippen
der sich auswächst zum Lied
wohin mit dem Dank
wenn nicht zu Dir- Gott
der Du im Licht wohnst
im unverlorenen Licht
eines verlorenen Himmels
Gott ich weiß
wenn ich weine
weinst Du mit
wenn ich lache
lachst Du mit
wenn ich singe
singst Du mit
wenn ich tanze
tanzt Du mit
wenn ich gehe
gehst Du mit
wenn ich träume
träumst Du mit
den hellen Traum
einer heileren Welt
O Gott
wohin mit der Not
auf der Welt
wohin mit Rätseln
und Fragen
die sich türmen zuhauf
wohin mit den Erdbeben
draußen und
drinnen in mir
Dein Name o Gott
sei mehr als Schall
und Rauch
Dein Name
wachse sich aus
zur Antwort
er blühe auf im Menschen
O Gott
wie ratlos der Mensch
ohne Rat
wie hilflos ohne Hilfe wie trostlos ohne Trost
ich lehne den Kopf
an ein Versprechen
zünde mir Zuspruch
Sag mir
wo wäre Gott
andernorts
deutlicher zu finden
als in deiner Zuversicht
|
Morgenpsalm am Meer
Ein Augenaufschlag
in den jungen neuen Tag
ein Dank am Morgen
für Deine unsichtbare Gegenwart
im Lauf durch die Stunden
durch Wind und Weite
im Möwenschrei im Meeresrauschen
ein Augenaufschlag am Morgen
zu Dir Gott
wie Lichteinfall in den Tag
in den Gang der Welt
Baust du auf Gott
baust du am Himmel
Stein um Stein
Stufe um Stufe
Ziegel um Ziegel
ein Dach über dem Leben
Schenke mir - Gott
einen klaren Kopf
wache Augen
und sichere Füße
für die Schritte
durch den neuen Tag
schenke mir Geist
von Deinem Geist
das richtige Wort
zur richtigen Zeit
einen offenen Himmel
über der Stirn
O Gott
wenn ich lebe
als ob es Dich gäbe
blüht etwas auf in mir
bekommt das Leben Farbe
treibt ein Wind mich voran
wenn ich lebe
als ob es Dich gäbe
erwachsen mir Träume
holen mich ein
mit Dir im Gefolge
Gott
Du bist nicht tot
wie die Welt sagt
Du wohnst hinter
dem Horizont
den unser Auge sieht
den unsere Sinne fassen
den unser Verstand erkennt
Du wirkst im Atem
der uns belebt
in den Gedanken
die uns vorantreiben
in den Wachträumen
vom Wandel der Welt
Abendpsalm
wenn der Tag ins Dunkel fällt
Der Himmel sich krönt mit Sternen
treiben Träume dich weiter
füllen die Nacht mit Leben
wenn der Tag ins Dunkel fällt
trägt ein Gebet
dich fort in die Ferne
über Horizonte ins Licht
|