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Wieviel Volt
So viel Spannung
hinter der Stirn
wieviel Volt
hält dich wach
zum Weitergehen
Der Mensch
aus krummem Holz geschnitzt
wie denn kann er bestehen
wie denn herauswachsen
aus allem Ungemach
und aufrecht gehen
ich ahne was du sagst:
unvollkommen der Mensch
aus krummem Holz geschnitzt
sein Wagnis sein Bemühen
sein ewig kühnes:
mit guter Geister Hilfe
Krummes grad zu biegen
an jedem neuen Tag
Mehr geht nicht
als aufrecht zu gehen
vom Mut getragen
du selbst zu sein
Schritt um Schritt
den Blick zu schärfen
für die Fähigkeit
zum aufrechten Gang
Auf dem Weg nach vorn
Nie hörst du auf zu träumen
auf dem Weg nach vorn
es gibt kein Zurück ins Gestern
es gibt nur ein Weiter
vielleicht an Strände
närrischer Vernunft
vielleicht an Ufer
vergessener Weisheit
Dein Flug durch die Zeit
von Lahrzehnt zu Jahrzehnt
durch Wolken Wind und Wetter
unter Sonne und Regenbogen
unaufhaltsam hoch und nieder
hinter dir neben dir Weggefährten
Freunde durch alle Zeiten
im Hoch im Nieder im Auf und Ab
im Tanz durch Tage und Stunden
verloren im All
aufgehoben unter Flügeln
Fußspuren
die verwehen im Schnee der Zeit
Endlosspuren der Menschheit
Schneespuren
Spuren ins Ungewiss
nie endender Versuch
auf festen Sohlen
Schritte zu wagen
über den Schnee hinaus
Die Lebens-Melodie
die große
hinter dem verklingenden Tag
die umfassende
hinter dem Takt der Stunden
die zündende
hinter der zerrinnenden Zeit
Vollmond über fremder Stadt
Wie ein Freund
kamst du auf mich zu
über die Dächer der Stadt
als Fremdheit mich schnürte
als ich gebannt von Lichtern
einer tropischen Nacht
mich zu orten suchte
da tauchtest du auf
wie ein Freund aus tausend
und einer Nacht
mir einen Fixpunkt zu funken
ins verwirrende Spiel
Weggefährte
nah
neben
dem
Flügel
des
Flugzeugs
am
Wege
der
Mond
verläßlicher
Gefährte
zerfließender
Zeit
Nach der Reise
Es bleibt
der besondere Geschmack auf der Zunge
der fremde Duft in der Nase
das Rauschen des fernen Flusses im Ohr
es bleibt
die wache Erinnerung an Menschen
die Erfahrung von Geschwisterlichkeit
über Grenzen hinaus
es bleibt
das Erlebnis des einen Himmels
über der einen Erde
Häuser am Wege
Häuser die du bewohnt
im Laufe der Jahre
sie stehen wie fremd
am Wege
kein Zuzwinkern mehr
aus Fensteraugen
keine Handbreit
geöffnete Tür
nur dein Erinnern
erschließt dir die Räume
füllt sie mit Stimmen
der Frühe
erweckt sie neu
über Leere und Fremdheit
über die Häuser die stummen
hinweg zum Leben
Wenn dich wer fragt
nach dem Weg
geh mit ihm des Weges
ein Stück über alle Wege hinaus
dass er ankomme bei sich
Erinnerung
Unter einem Bananenbusch
im fernen China
vertraute Krüge
aus vergangenen Tagen
du hebst sie auf
die Restbestände
einer heilen Erinnerung
aus ferner Zeit
aus der Töpfer-Werkstatt
von Leprakranken
die zu Künstlern wurden
aufbrechen das Zerbrechliche
Spielregeln
für dich für mich
zu entzünden den Mut
zum Spiel des Lebens
zu ermessen das Mögliche
auszuloten das Geheimnis
des Gelingens
Bick in die Zukunft
Alles machbar
nichts aufhaltbar
vieles denkbar
weniges tragbar
im Treiben tagauf
Warte nicht
fang an
schau dich
nicht um
fang an
schreib deine Schrift
in den Schnee
Dieser Tanz
der Weißlinge am Weg
ihr Auf un Ab
im duftenden Lavendel
ihr Hin und Her
ihr Spiel ohne Grenzen
Honig zu erhaschen
nach Herzenslust
dich zu locken
in die Leichtigkeit
sorglosen Seins
Franka
Das bunte Herbstblatt
in deinen kleinen Händen
ich zählte mit dir
die Finger des Blattes
die Finger deiner kleinen Hand
so viel Frühling in ihr in dir
aus weiter Ferne raschelt
verwegen bunt ein Herbst
zaubert Farben dir früh
ins fragende Herz
Drüben der alte Mann
er ist verstummt mit den Jahren
verschlungen von den Wellen
den Wirbeln des Lebens
was übriggerblieben
der Schatten seiner selbst
schemenhaft gegen den Himmel
geschlagen im Lichtschein
der schwindenden Sonne
Blumen am Wegrand
das Vergissmeinnicht
an Hängen der Trauer
die Sonnenblume
an Zäunen der Erinnerung
das Tausendgüldenkraut
am Wegrand der Hoffnung
Heute
ein Tag hinter den Tagen
versteckt im Schneegestöber
unwirklich die Welt
hinter der Wirklichkeit
flockenleicht löst sich
ein grauer Himmel auf
dich wortlos gewichtlos
zu betören für einen Tag
Nichts fließt mehr
in vertrauten Flüssen
neu der Fluss aller Dinge
dich flussabwärts mitzuziehen
in die fortfließende Zeit
Blockade
Mit den Jahren blockiert
Gestein deinen Weg
lähmt den leichten Schritt
begrenzt den schnellen Gang
es sei denn du entdeckst
mit den Jahren
versteckt im Gepäck
deine Flügel
Im Erinnern bleibt dir
die Landschaft
durch die ein Wind
dich getrieben nach vorn
die Gärten der Kindheit
in denen immer noch
Fragen blühen
die erste Liebe
die Wege bergauf
Wolkenbrüche der Trauer
das Glück
der Schmetterling
auf geöffneter Hand
im Erinnern bleibt dir
bruchstückhaft
ein ganzes Leben.
Das Heute
fang es auf wie Wasser
in einer Schale
schmeck es
weil Wasser Leben ist
mehr als das Heute
gehört dir nicht
im Heute ist Gestern
und Morgen
Diese Bilder
die ohnmächtig machen
den Atem stocken lassen
dich aus der Fassung bringen
Bilder
die mehr sind als Bilder
von Menschen mit Namen
mit einem Gesicht wie du und ich
Bilder
die sich einbrennen
unauslöschlich in dir
unaufhebbar
vom hämmernden Herzen
Namen
wie Bilder
rahmenlosleicht
Namen
wie Blüten
bilderbuchbunt
Namen
wie Lichter i
zeitlos zündend
Magnetik-Wortspiel
flieg zum Meer
schüttel die Nacht von dir
verlass ihre Schatten
umarm den Tag
kühle dein Gesicht
hör den Puls
wie deine Sprache
diese Zeit ist seltsam
spiel immer mit Licht
sag mir leise ein Wort
purpur wie ein Rose
Herbst
Du bahnst dir
den Weg winterwärts
durch buntes Laub
wagst dich einzunisten
im Nebelhaus
anzuhalten zwischen
den Zeiten
dich anzufreunden
mit den Geistern
der Dunkelheit
am Rande des Tages
aufzulösen
die Töne der Tristesse
Nirgendwoland
immer ist Zugfahren
mehr als Zugfahren
zwischen Start und Ziel
ein Nirgendwoland
eine Weile
zu verweilen
im Schwerelosen
Zugfahrt
durch goldgelben Raps
wer fragt nach dem Ziel
dem verblaßten
mitten im Gelb
Im Wirbel der Tage
Weniger ist mehr
im Wirbel der Tage
wenige Meilensteine
weisen meilenweit
Segelboote
füllen das Meer
wie weiße Schmetterlinge
sich wiegend im Wind
von Sehnsucht getrieben
schaukeln Meersüchtige dahin
Horizonte zu durchqueren
fortzuziehen in die Weite
des Außer-sich
des Bei-sich-Seins
Urlaub
Im Auf und Davon
der andere Blick:
der Weitblick
der Rundblick
der Überblick
der Rückblick
vom Urlaub zurück
im Rucksack
der neue:
der Vorwärtsblick
Nur dieses nicht
sich nicht verstricken
in Stricken
sich nicht verfangen
im Frust
sich nicht verbiegen
im Vorwärtsgehen
Neujahr
Unter dem Rauschen der Wellen
wegüber in ein neues Jahr
wir flüchtigen Wesen
verrauschender Zeit
hingeworfen ans nackte Ufer
zu benennen den Tag
zu wagen den Weg
Welt sein
Mitten in der Welt
selbst Welt sein
zu bewegen die Welt
Der Strand
steinreich
an Glück
die Tage
zwischen
Steinen
am Strand
Unterwegs
schreibe ich
schreibe mich fest
im Davonfahren
Ein neues Lied
So viele Lenze
und wieder Saft
in den Zweigen
den Taktstock
des Frühlings
leih ich mir
für ein neues Lied
Verstecke
Versteck dein Lachen
in den Rumtopf für morgen
press dein Lachen
in ein Buch für morgen
leg dein Lachen In den Safe
für morgen
pflanz dein Lachen ins Beet
für morgen
Lichtjahre
So viele Berge erklommen
und immer noch
Lichtjahre weg von
von Weisheit
Immer unterwegs
den Ort der Versöhnung zu finden
zwischen gestern und heute
zwischen Trauer und Wut
zwischen Kopf und Herz
zwischen Kommen und Gehen
zwischen dir und mir
zwischen mir und mir
Immer neu
ankommen
und wieder aufbrechen
dazwischen
Fußwege am Grat
Pulsschläge im Gleichtakt
von Wellen
Schaumträume
die im Sand zerrinnen
Ein Einmaleins
Wär zwischen uns
wild und schön
eine Wiese
zum Entgegengehn
wir pflückten Sträuße
aus Sonne und Wind
ein Einmaleins
darin wir einig sind
Friedensengel
In der Innenstadt
ist der Teufel los
"Demo" sagte die Frau
vor der Bücherei
ich ging gradwegs
des Teufels Spuren nach
und fand Friedensengel
mutige Menschen
mit gestutzten Flügeln
Altvertraute Stadt
dich erleben wie Neuland
fern vom Sog des Alltags
gelöst aus Verankerung
frei zu bauen Zelte
der Freundschaft
Meine Traumstadt
ist jung
sie kennt keine
trennenden Mauern
keine Straßen
mit tödlichem Lärm
keine Gassen der Gewalt
keine grußlose Begegnung
meine Traumstadt
atmet die Luft einer Vision:
zu wohnen ohne Fremdheit
ohne Furcht
Nichts geht verloren
nicht die Landschaft
durch die ein Wind
dich getrieben nach vorn
nicht die Gärten der Kindheit
in denen immer noch
Fragen blühen
die erste Liebe nicht
alle die Wege bergauf
die Wolkenbrüche der Trauer
nicht das Glück
der Schmetterling
auf geöffneter Hand
nichts geht verloren
Leben ist Frucht
des Erlebten
Drüben
jenseits der Gleise
deine Silhouette
wir warten
und winken
winken und warten
auf Züge
die uns fortziehen
zu neuen Zielen
Im Wechselspiel
Im Wechselspiel
der Gezeiten
hinter der weichenden Flut
zu Bewahrendes finden
im ausgewaschenen Sand
Eine Hütte bauen
brückenschlagnah
brückenschlagfern
vom Festland
offener Fragen
Die letzte Rose
Haiku
sie sagt dir adieu
noch im Abbschied
betörend wie im Kommen
Unter dem einen Himmel
wieviele Köpfe
wieviele Deutungen
der einen Welt
wieviele Welten
in den Köpfen
unter dem einen Himmel
Nächte
Haiku
unter Schleiern des Schlafes
schlummert aus dem Tag
gefallenes Licht
Das Spiel geht weiter
du gewinnst du verlierst
du fängst von neuem an
wirfst den Würfel
wieder und wieder
führst Figuren durchs Feld
spielst mit dem Gelingen
Sternlos
die Routen
ohne
Resonanz
Die Zeit
ein seltsam Ding
sie jagt davon
ist nicht zu halten
nur wer im Einverständnis
mit ihr lebt
versteht ihr Walten
Olaf
wie eine Sternschnuppe
in die Welt geworfen
nirgendwo angekommen
irgendwo verglüht
Ende des Jahrtausends
Wieviel Mensch
Ist übriggeblieben
nach so viel
Unmenschlichkeit
heisergeschrien
hat sich der Mensch
zu Tode geweint
es gäbe einen Grund
zu feiern ein neues
Jahrtausend:
wiederzufinden
ein Sternzeichen
über der Welt
Kirche
heute Kirche global erleben
in Räumen eines offenen Dialogs
frei werden von Enge
zu einer Spiritualität finden
die Flügel schenkt
Am Ufer der Zeit
mit dem Blick
zurück und voran
viel Herzblut ist
in die Strömung geflossen
flußabwärts in Zukünftiges
noch schlägt mein Herz
im Herzschlag der Zeit
schlägt im Takt
des Weltgeschehens
überschlägt
die Schläge der Zeit
Verluste
Wollt ich zählen
was verlorenging
was aus dem Tag fiel
was verblaßte
verwelkte verging
wollt ich zählen
die Zahlen flögen davon
wie ein Schwarm Vögel
sich verliert in der Ferne
wollt ich zählen
was geblieben
die Zahlen kämen zurück
wie Vögel aus wärmeren Zonen
Bevor ich geh
sag ich adieu
sag´s unumwunden
lässt sich gewiss
nicht besser sagen
was noch zu sagen wär::
Adieu
Die Not
Die Not des Nachbarn
ist die Not der Welt
die Not der Welt
ist die Not von nebenan
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